Einer der genialsten Kommentare zu diesem Thema! Selten habe ich des Pudels Kern so auf den Punkt gebracht gelesen! Vielen Dank für diesen großartigen Artikel!
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17 01 2011Kommentare : Kommentar schreiben »
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Minecraft
6 01 2011In meiner kürzlich erfolgten Steam-Kaufwelle habe ich unter anderem RPG-Hits wie Dragon Age: Origins und Risen erstanden und kurz zuvor ein Paket aus 5 Indie-Spielen heruntergeladen. Dennoch ist das von mir derzeit am häufigsten gezockte Spiel Minecraft, das lediglich 10 € kostet und sich derzeit noch in der Beta befindet – und zu dem auf niedrigauflösenden Texturen und einer simplen Blockstruktur basiert.
In der Tat ist Minecraft wohl eines der unkompliziertesten Spiele der Moderne, wurde es doch vom schwedischen Programmierer Notch eigenhändig hergestellt. Dem Spiel eine Physikengine zu unterstellen wäre ebenso unverschämt wie nach einer Einstellung der Grafikqualität zu fragen. Es ist kein 3D-RPG, hat keine hochauflösenden Texturen und keine HDR-Rendering-Effekte. Aber nicht einmal für ein Kartenspiel oder ein Pen-and-Paper würde es reichen – das Kampfsystem ist denkbar schlicht. Und trotzdem beginnt es gerade, zu meinem Lieblingsspiel zu werden.
Was ist Minecraft überhaupt? Es in ein Genre einzuordnen, ist nicht leicht, ich würde es aber als eine Mischform aus RPG, Strategie und Indie ansehen. Es hat keine Story, keine freundlichen NSCs und keine Charakterentwicklung, deshalb ist der Begriff RPG eigentlich doch sehr weit hergeholt – aber immerhin kann man seine Rüstung und seine Waffe verbessern. Doch vor allem würde ich Minecraft als Survival bezeichnen. Es geht primär darum, ohne irgendwelche Ausrüstung in einer leeren Welt, die des Nachts von Zombies und Spinnen heimgesucht wird, zu überleben. Und das ist der erste Punkt, der Minecraft so besonders macht. Selbst die besten und fortschrittlichsten RPGs haben es nie geschafft, das Gefühl eines Abenteurers, eines Waldläufers in der Wildnis richtig zu vermitteln. Man will in The Elder Scrolls IV: Oblivion von der Kaiserlichen Stadt nach Bravil? Kein Problem, dafür gibt es die Schnellreise. Und selbst wenn man tatsächlich reist – niemand hindert einen daran, einfach solange überland zu laufen, bis man da ist. Ein echter RPGler würde sich doch wünschen, dass man abends müde ist und ein Gasthaus aufsuchen muss, sich stärken muss und ein Bad nehmen kann – dass man in der Wildnis Tiere erlegen und ihr Fleisch über dem Feuer braten muss, dass man sich gegen die Kälte im Gebirge mit dicken Mänteln schützen muss und darauf aufpassen sollte, wie lange die Nahrungsvorräte noch genießbar sind. All dies hat Minecraft ebenfalls nicht – und doch vermittelt es die Stimmung des Adventures, oder eben des Survival, wie ich es nenne, deutlich besser. Warum? Vielleicht liegt es allein daran, dass nachts die Welt eine völlig andere ist, anstatt dass es einfach nur dunkler wird. Ich weiß es nicht.
Aber mit jeder weiteren Nacht, die verstreicht, tritt ein ganz anderer Aspekt des Spiels in den Vordergrund. Es geht nicht mehr ums Überleben, sondern ums Graben und Bauen. Und das ist für mich wohl das Beste an Minecraft. Während man in einem guten RPG zwar viel machen kann, jedoch an eine Welt mit ihren Städten und Landschaften gebunden ist, während man in einem Strategiespiel zwar eigene Basen errichten kann, dabei jedoch voreingestellte Gebäude benutzen muss und diese auch nie von innen sieht, während man bei Die Sims zwar seine eigenen Häuser bauen und einrichten kann, dabei jedoch jeglicher Bezug zur Herstellung der benötigten Materialien alleine schon deshalb verloren geht, weil das Spiel in der heutigen Zeit angesiedelt ist, kann man bei Minecraft all dies machen. Statt, wie in einem RPG, zu einem Händler zu gehen und Wolle zu kaufen muss man nun ein Schaf finden und es scheren. Statt, wie in einem Strategiespiel, einfach ein Hauptgebäude zu erbauen und einige Geschütztürme daneben zu setzen, muss man nun jeden einzelnen Turm Stein um Stein von Hand errichten – und das ganz individuell. Statt sich, wie in Die Sims, für 200 Simoleons einen Sessel zu leisten, muss man die Wolle und das Holz dafür nun selbst gewinnen und dann verwerten.
In Minecraft kann man seine ganz eigene Welt erstellen. In Blöckegrafik, zugegeben, aber dafür mit umso mehr Freiheit. In einem Strategiespiel kann man vielleicht sein eigenes Imperium errichten, in einem Rollenspiel seine ganz eigene, individuelle Ausrüstung. Aber kein anderes Spiel ermöglicht es, die ganze Welt zu gestalten. Ob man nun Leuchttürme, gigantische Häfen, riesige Festungen, dunkle Verließe, kleine Kavernen, gemütliche Häuser, bedrohliche Obsidiantürme, fiese Schweinefallen, lange Stadtmauern oder doch lieber gigantische Minensysteme haben will – man muss nur wissen, wo man anfängt. Und so ist es nicht nur möglich, sich seine ganz persönliche Basis zu errichten, sondern auch, berühmte Gebäude und Orte wie Tolkiens Moria oder den Orthanc zu erbauen. In keinem anderen Spiel war es bisher in diesem Ausmaß möglich, seine schöpferische Kraft zur Geltung zu bringen. Und durch den Multiplayer steckt noch deutlich mehr Potenzial in diesem Spiel: Ganze Städte kann es geben, von denen zwar jedes Haus einen anderen Erbauer hat, die dennoch insgesamt, aufgrund der natürlichen Regeln, ein authentisches Stadtbild ergeben. Und so können die Spieler je nach Vorliebe verschiedenen Tätigkeiten nachgehen und ihre Erzeugnisse verkaufen, um dafür selbst einzukaufen. So entwickelt sich ein Wirtschaftssystem, das realistischer ist als das der meisten Rollen- oder Strategiespiele (und wohlgemerkt auch vieler Wirtschaftssimulationen – denn keine CPU kann das Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage so gut simulieren wie echte Menschen).
Ich weiß nicht, wie es mit Minecraft weitergehen wird, ob es nur ein kleines Strohfeuer ist oder ob sich dieses Indiegame etablieren wird. Ich kann nur auf Letzteres hoffen, denn dann ist – besonders im Multiplayer – der Weg für eine Menge Neuerungen frei, sodass irgendwann ganze Königreiche entstehen, die komplexen politischen Strukturen folgen und sich vielleicht sogar gegeneinander bekämpfen. Und zwar nicht, indem jemand eine Kaserne anklickt und dort Bataillon ausbilden wählt. Sondern indem der König dem Waffenschmied 500 Goldbarren gibt, damit ihm dieser 100 Diamantschwerter herstellt, mit der der König seine 100 tapferen Krieger, die sich einen zusätzlichen Sold verdienen wollen, ausrüstet.
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Kategorien : Spiel & Sieg




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